Es gibt wohl überall ein paar gewisse Dinge, die einfach jeder Beteiligte kennt. Für Außenstehende erscheint die folgende Auflistung womöglich kurios, aber die Amstettner unter uns finden sich bestimmt darin wieder.

Stammsupermarkt

Schon seit Jahren stelle ich in Gesprächen mit Freunden immer wieder verblüfft fest, dass scheinbar jede Familie einen Stammsupermarkt hat. Obwohl es bei uns wirklich von jeder Supermarkt-Kette mindestens eine Filiale gibt, tendieren wir dazu, unseren Wocheneinkauf immer im selben Supermarkt zu erledigen. Ausnahmen gibt’s da nur sehr selten, das muss schon ein sehr spezielles Produkt sein, für das man den Weg in einen anderen Supermarkt auf sich nimmt. Dem Lieblingsspar/-hofer/-merkur/-billa wird auf ewig die Treue gehalten und diese Tradition wird in den meisten Fällen auch an die eigenen Nachkommen weitergegeben. Wird der Stammsupermarkt nach Jahren dann einmal umgebaut, ist es so, als würde ein Teil unseres Alltags der vergangenen Jahre verloren gehen. Für die moderne Stammfiliale mit neuer Aufteilung benötigen wir dann erst mal eine Eingewöhnungsphase, während wir der alten Optik noch ein bisschen nachtrauern …

Massenvölkerwanderung am Tag des Mostes

Jedes Jahr zur gleichen Zeit lässt sich in unserer Region ein interessantes Schauspiel beobachten. Menschenmassen beginnen zu wandern – und das hat einen bestimmten Grund: Am letzten Sonntag im April haben alle Mostheurigen ausg’steckt, um den Tag des Mostes gebührend zu feiern. In der mostviertlerischen Bevölkerung werden dafür die verstaubten Wanderschuhe und –stecken aus dem Keller geholt, denn wofür lohnt es sich mehr, seinen alten Neujahrsvorsatz, mehr Sport zu treiben, wieder auszupacken, als für eine deftige Brettljausn und den besten Most weit und breit? An diesem einen Tag im Jahr kann es schon mal vorkommen, dass (selbst von Sportmuffeln) ordentlich Kilometer zurückgelegt werden, denn wer beim Tag des Mostes vorbildlich am Start sein möchte, legt die Distanzen zwischen den Heurigen selbstverständlich zu Fuß hin. (Eventuell liegt das auch daran, dass man nach dem an diesem Tag stattfindenden Mostkonsum eh kein Fahrzeug mehr in Betrieb nehmen dürfte. ;))

Bäckereien am Sonntagmorgen

Jeden Sonntagmorgen teilt sich die Amstettner Bevölkerung in zwei Gruppen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Grob betiteln lassen sich diese Gruppen als die „noch Wachen“ und die „schon Wachen“, großes Zusammentreffen der beiden findet in sämtlichen Bäckereien der Stadt statt. Während die „noch Wachen“ extrem übermüdet und mit Restalkohol im Blut direkt vom Fortgehen zum Bäcker gewankt sind, um sich vor dem Rauschausschlafen noch ein Frühstück zu gönnen, sucht die Gruppe der „schon Wachen“ die gleiche Location (häufig nach ihrem Morgenlauf) auf, um sich mit Gebäck zu versorgen und nach getanem Workout gemütlich in den Tag zu starten. Da Amstetten ja doch überschaubar ist und sich hier quasi jeder jeden kennt, sorgt diese Szenerie des Öfteren für peinliche Situationen, vor allem dann, wenn man der Gruppe angehört, die nach dem Frühstück nicht mehr viel vom Sonntag hat.

Streit um die beste weiterführende Schule

Jeder, der in Amstetten eine Sekundarstufe II besucht hat, kennt den geheimen „Streit“ um die beste Schule. Da wir in Amstetten bei unserer Schulwahl einfach sehr viele Möglichkeiten haben, herrscht insgeheim schon ein kleines Battle unter den Schülern, welche Matura am meisten wert ist. Das Battle wird aber nicht aktiv und mit Gewalt geführt, denn es wird in erster Linie beim Fortgehen durch lustige Seitenhiebe ausgetragen. Schulübergreifende Freundschaften und sogar Gspusis steht somit auch nix im Weg. Eine Einigung über die beste Schule unseres Bezirks wurde meines Wissens nach wie vor noch nicht gefunden, der „Streit“ wird einfach immer wieder auf die nachkommenden Generationen vertagt, und sind wir mal ganz ehrlich, am Ende zählt sowieso nur, was man aus seinem Schulabschluss macht.

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wurde das generische Maskulinum verwendet.

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Über den Autor:

Carina Thoma

Praktikantin Stadtmarketing Amstetten

Carina ist immer auf der Suche nach neuen Hobbies: derzeit „gartlt“ sie mit recht großer Begeisterung. Und fotografieren, auf Konzerte gehen, schreiben und Kulturmanagement studieren tut sie nebenbei auch noch.