… und andere kuriose Geschichten, die irgendwie nur Amstetten schreiben kann.

Das schwedische Königspaar schlief am Amstettner Bahnhof. Kaum zu glauben, aber wahr. Man kann sich wohl bessere Locations vorstellen – nicht nur als Königin und König. Immerhin musste es nicht die Bahnhofshalle sein. Halbwegs standesgemäß stellte der damalige Bundespräsident Rudolf Kirchschläger seinen Salonwagen zur Verfügung, als das hohe Adelspaar 1979 beim Staatsbesuch einen Abstecher zu ihren Verwandten auf Schloss Greinburg machte.

Das tragische Ende der Erfinderin des Busenschützers

Amstetten schreibt manchmal eben Geschichten, die irgendwie nur Amstetten schreiben kann. Dort, wo heute der Spar für Gourmets zur Verfügung steht, stand ehemals ein Kaffeehaus. Heinz Rühmann, Gunther Philipp und Johannes Heesters machten Halt an der Ecke Wiener Straße/Mühlenstraße. Auch Anton Bruckner war Gast im Haus. Der damals 68-Jährige soll den Reizen eines 16-jährigen Stubenmädchens erlegen sein. Auch die Erfinderin des Busenschützers, Marianne Bendl aus Wien, stieg hier ab und verbrachte ihre letzten Tage in Amstetten. Die international renommierte Frau, die Patente in fast allen europäischen Ländern für ihr „hygienisches Korsett“ erwarb, beendete ihr Leben in der Ybbs.

Miss Universe sorgt für Spektakel in Amstetten

Nicht nur weltweit, sondern im ganzen Universum dem Titel nach bekannt war Lisl Goldarbeiter. Österreichs einzige Miss Universe machte eines Tages im Jahr 1929 Station in Amstetten. Unter dem goldenen Adler im Eckhaus in der Rathausstraße war damals ein heute vergessenes Café. Dort nahm sie einen „kleinen Imbiss“ zu sich, während sich eine Menschenmenge versammelte, um den Sensationsgast zu bestaunen. Ein Jahrzehnt später, nach dem Anschluss an Hitler-Deutschland, jubelten die Amstettner keiner Jüdin mehr zu, als am selben Ort am Balkon Reichsstatthalter Arthur Seyß-Inquart zu den Amstettnern sprach.

Der Kaiser passt nicht durch

Auch Kaiser waren in Amstetten zu Gast bzw. meist auf Durchreise. Nicht immer ohne Probleme. So passte der Galawagen Josefs II. 1764 nicht durch das Amstettner Markttor. Der Kaiser ließ anordnen, das Tor zu entfernen. Was die Amstettner schließlich auch taten – allerdings erst dreißig Jahre später. (Wie es der Wagen durch das Tor geschafft hat, ist nicht überliefert.) Amstetten und der Kaiser, das war über Jahre hinweg keine problemfreie Beziehung. Spätestens ab 1897 war aber wohl jeder Amstettner ein Kaiser-Fan. 

Die Amstettner machen aus einem Bock einen Wolf

Am 26. November 1897 stieg Kaiser Franz Joseph zum ersten Mal im Markt Amstetten aus, um seine Tochter Marie Valerie im Schloss Wallsee zu besuchen. Nur wenige Tage später erhob er Amstetten zur Stadt. Die Stadterhebung brachte ein Problem mit sich. Denn nun stellte man sich für das neue Stadtwappen die Frage, was tatsächlich auf dem bisherigen althergebrachten Marktwappen zu sehen ist. Zu dieser Zeit entstieg nämlich noch ein Steinbock der Ybbs. Nach langem Hin und Her entschied man sich für einen (Passauer) Wolf. Dieser war angeblich ohnehin ursprünglich abgebildet und im Laufe der Zeit wegen Ungenauigkeiten zum Bock mutiert. (Macht sich irgendwie auch besser.) Die Sage erzählt jedenfalls, dass nach einem Hochwasser ein Steinbock in Amstetten angeschwemmt wurde. Die Amstettner nahmen dies kurzerhand zum Anlass, ihn auf dem Wappen zu verewigen.

Quellen: Amstettner Anzeiger 13.11.1979; Amstettner Metarmorphosen, Neue Freie Presse 10.6.1904; Amstettner Zeitung 1.8.1929, Amstetten 1938–1945; Die Geschichte der Stadt Amstetten (A. Queiser); Das Jubiläumsbuch 100 Jahre Amstetten, Sagen aus dem Mostviertel.

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Über den Autor:

Thomas Leitsberger

Redaktionsleiter Bezirksblätter Amstetten

Thomas Leitsberger ist Redaktionsleiter der Bezirksblätter Amstetten und sorgt mit seinen Berichten schon mal für ungewohnt-ungewöhnliche Einblicke in Amstetten.